
Ein Tag im Zeichen der Biodiversität
Ökologisches Monitoring im Leuphana Waldgarten
von Ben Börding, Lilian Dal, Johannes Köhler, Paul Jurek Polle, Tessa Scholl und Sarah Zillessen
Dienstag, 24. Juni 2025. Es ist bewölkt, der Wind frischt auf – aber der Regen bleibt dezent. Zwischen Baustellenzäunen versammelt sich eine Gruppe von 18 Menschen auf dem Leuphana Campus. Sie betreten den Waldgarten und laufen durch das Gelände, in den Händen Smartphones, aber doch in die Natur vertieft. Was machen die da?
Kontext & Zielsetzung
Die Gruppe von Studierenden, die Laien in diesem Bereich sind, hat sich das Ziel genommen, ein ökologisches Monitoring mit einem Citizen Science Format auf einer Waldgartenfläche durchzuführen, wobei gleichzeitig Umweltbildung stattfinden soll. Das Projekt entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Waldgarten Reallabor: nachhaltige und multifunktionale Flächennutzung im urbanen Raum” unter Leitung von Dr. Agnes Friedel. Wir, ein Team von 5 Studierenden, entwickelten das Projekt konzeptionell und setzten es pilothaft um.
Unsere Literaturrecherche zeigte eine Forschungslücke: Es fehlt bisher an praxistauglichen Modellen, wie Monitoring-Prozesse in Waldgärten aussehen können – insbesondere unter Beteiligung von Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund. Genau hier setzt das Projekt an.
Planung & Vorbereitung
Einige Wochen vor dem Termin begann die Organisation. Das Gelände war von Baustellen umgeben, weshalb wir mit der Universität abstimmen mussten, ob der Zugang für eine Gruppe von bis zu 25 Personen möglich ist – zum Glück: ja.
Für die Anwerbung zum Projekttag wurden verschiedene Newsletter-Kanäle der Leuphana Universität genutzt. Zusätzlich wurde ein ansprechendes Sharepic in Kombination mit einer einladenden Nachricht (in zahlreichen Gruppen auf unterschiedlichen sozialen Netzwerken) verbreitet, auch Snowball Sampling wurde genutzt.
Neben dem Monitoring war ein inhaltlicher Input geplant. Wir buchten einen Seminarraum in unmittelbarer Nähe und entwickelten eine Präsentation sowie eine Vorher-Nachher-Umfrage zur Evaluation des Interesses und des Wissensstands der Teilnehmenden. Eine Telegram-Gruppe diente der Kommunikation mit den 13 Teilnehmenden.
Zusätzlich programmierten wir eine digitale Erfassungsanwendung, in der die im Rahmen der Citizen-Science-Untersuchung erfassten Daten festgehalten werden konnten. Für das Rahmenprogramm sorgten selbst gebackene Kuchen, Snacks und Getränke. Besonders freuten wir uns über die Zusage von Tessa Scholl (Essbarer Campus), die eine kurze Führung durch den Waldgarten übernahm.
Der Projekttag – Ablauf & Eindrücke
Das Projektteam war ab dem Vormittag vor Ort: Technik-Check, Raumvorbereitung, Gilden-Markierung mit Seilen und Schildern im Garten. Diese Markierungen sollten den Teilnehmenden ermöglichen, sich besser auf der Waldgartenfläche orientieren zu können und ihre Beobachtungen den richtigen Gilden zuzuordnen. Um 15:00 Uhr kamen die Teilnehmenden:



Erkenntnisse & Resonanz
Die Ergebnisse der Nachher-Umfrage zeigten deutlich: Das Projekt konnte Wissen über Biodiversität, Waldgärten und Citizen Science vermitteln. Viele Teilnehmende hatten zuvor kaum Bezug zum Thema, schätzten ihren Lernzuwachs aber als hoch ein.
Auch methodisch funktionierte das Konzept: Die eingesetzten digitalen Tools wurden als verständlich bewertet. Die Kombination aus Input, direkter Anwendung und Reflexion erwies sich als besonders wirksam. Alle 13 Teilnehmenden gaben an, sich eine erneute Teilnahme vorstellen zu können.
Das Monitoring selbst führte zu einer Datenbank mit 223 Bestimmungen, davon 37 verschiedene Pflanzenarten – kartiert und dokumentiert für weitere Auswertungen.
Danke & Ausblick
Ein herzlicher Dank geht an alle Teilnehmenden – ohne euch wäre dieser Projekttag nicht möglich gewesen! Wir hoffen, dass der Waldgarten für euch ein inspirierender Lern- und Erlebnisort bleibt.
Dieses Projekt war ein Pilotversuch. Da das Seminar und das Semester enden, können wir als Team das Projekt nicht weiterführen. Doch wir geben Ideen, Erfahrungen und Daten über das Seminar-interne mywiki weiter, damit diese von neuen Projektgruppen aufgegriffen und weiterentwickelt werden können.
Der Tag hat gezeigt, wie wertvoll praxisnahe Umweltbildung ist – vor allem, wenn sie gemeinschaftlich, niedrigschwellig und mit Freude gestaltet wird.
Definitionen
Citizen Science, also Bürger*innenwissenschaft, bezeichnet wissenschaftliche Forschung, bei der Personen, die nicht beruflich im wissenschaftlichen Bereich tätig sind, aktiv in den Forschungsprozess eingebunden werden. Ihre freiwillige Mitwirkung kann verschiedene Formen annehmen – etwa durch eigene Beobachtungen, Messungen, die Datenerhebung vor Ort oder das Teilen von Informationen mit wissenschaftlichen Teams (Soßdorf et al., 2024).
Ökologisches Monitoring: die systematische, wiederholte Erfassung von relevanten Umweltparametern, etwa Artenvorkommen oder Vegetationsveränderungen. Ziel ist es, ökologische Veränderungen über Raum und Zeit zu erkennen, zu dokumentieren und wissenschaftlich zu bewerten, etwa im Hinblick auf Biodiversitätsentwicklung oder den Einfluss von Landnutzung (Scott, Lindenmayer & Likens, 2011).
Beide Ansätze – Citizen Science und Ökologisches Monitoring – haben wir in unserem Projekt bewusst miteinander verknüpft. Einerseits wollten wir wissenschaftlich relevante Daten im Leuphana Waldgarten erheben, andererseits war es uns wichtig, Menschen ohne Vorkenntnisse in diesen Prozess aktiv einzubinden – als Lernende und Mitforschende zugleich.
Mach mit!
Du möchtest beim nächsten Mal dabei sein oder selbst etwas im Waldgarten anstoßen? Dann melde dich gerne bei der Initiative Essbarer Campus.
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Du willst noch mehr über den Waldgarten erfahren? Hör gerne in diesen Audioguide (2022) rein oder schau dich auf der Waldgartenwelten Webseite um.
Verwendete Literatur
Scott, C. T., Lindenmayer, D. B., & Likens, G. E. (2011). Effective ecological monitoring. Landscape Ecology, 26(10), 1505–1506. https://doi.org/10.1007/s10980-011-9658-3.
Soßdorf, A. et al. (2024). Wegweiser Citizen Science – Tipps und Methoden zu den Themen Partizipation, Teilnehmende, Motivation, Bürokratie und Evaluation. mit:forschen! doi.org/10.5281/zenodo.13148678